Interview mit Andrea Richey
- Wilhelm Heim
- 22. März 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. Apr. 2025
Ich habe ‚Fotografie‘ ständig im Kopf.
Andrea Richey ist gelernte Fotografin allerdings entwickelte sich der berufliche Weg dann doch in eine andere Richtung. 2012 hat sie allerdings doch wieder angefangen mit der Fotografie. Zunächst in der Fotocommunity, wo sich Wilhelm und Andrea kennengelernt haben. Seit dieser Zeit entwickelte sich ihre Fotografie immer wieder weiter. Sie nahm an sechs an Ausstellungen teil. Drei davon veranstaltete sie mit ihrem damaligen Partner und drei weitere mit dem Forum für Fotografie Moseleifel. Ihr fotografischer Weg hat sie letztlich zum ‚Minimalismus‘ geführt. Sie liebt reduzierte Fotografien.

Wilhelm: Liebe Andrea, vielen Dank, dass du ein "Schreibgespräch" mit mir machst und deine Gedanken mit mir teilst. Wann entscheidest du dich, eine Fotografie "öffentlich" zu machen?
Andrea: Ich danke dir Wilhelm, dass du mir die Gelegenheit gibst. Eine Fotografie mache ich öffentlich, wenn ich von einem Bild überzeugt bin und es mir zu 100% gefällt- Das kann ein Post auf Instagram sein, eine Veröffentlichung in der Fotocommunity oder auch der Ausdruck auf Fineartpapier, um das Bild dem Austausch in einem Fotoforum zu stellen.
Wilhelm: Wann bist du denn von einem Foto überzeugt?
Andrea: Ich bin dann davon überzeugt, wenn ich es rahmen und aufhängen würde. Ich muss immer wieder darauf schauen können und eine Ruhe im Bild spüren.
Wilhelm: Diese Ruhe finde ich sehr spannend. Geht diese Ruhe von der Fotografie aus oder von dir? Oder müssen sich die Ruheimpulse treffen?
Andrea: Mhmm, das ist schwer zu beantworten. Ich denke, die Ruhe geht in erster Linie vom Bild aus, sie erreicht mich eher beim Betrachten. Manchmal überkommt sie mich auch schon bei der Bildbearbeitung oder je nach dem, wo das Foto entsteht, sogar beim Fotografieren.
Wilhelm: Wann ist denn für dich beim Fotografieren der richtige Augenblick den Auslöser zu drücken?
Andrea: Der richtige Moment ist immer dann, wenn ich ein Motiv im Auge habe. Das ändert sich aber ein wenig mit Art der Fotografie. Eine Langzeitfotografie z.B. ist ein Foto, das ich plane. Da ich suche das Motiv und bestimme den Bildaufbau. In der Stadt hingegen, ist man ja eher beobachtend unterwegs, da kann der richtige Moment auch Glückssache sein. Beim Portrait hängt der Moment des Auslösens von der Zusammenarbeit mit der zu fotografierenden Person zusammen.
Wilhelm: Ich bewundere dich übrigens sehr für deine Langzeitbelichtungsfotografien - ich hätte dafür nicht die Geduld. Was fasziniert dich an dieser Art des Fotografierens? Du sagst ja selbst, dass das eine besondere Art des Herangehens ist.
Andrea: An der Langzeitfotografie fasziniert mich, wie sehr diese lange Belichtungszeit ein Bild verändert. Dabei bevorzuge ich Motive am Wasser. Durch den Einsatz von ND Filtern und einer langen Belichtungszeit kommt für mich absolute Ruhe in ein Bild. Ich gestalte diese Bilder gerne minimalistisch mit einem feststehenden Objekt. Sobald eine Reise bevorsteht, schaue ich, was sich am Ziel zur Langzeitfotografie eignet, oft zeigt sich das allerdings auch erst vor Ort. Du sagst du hättest dafür keine Geduld, aber genau das ist der Punkt. Sich mit dem Stativ ans Meer oder an den See zu stellen, ist absolut entschleunigend. Meist fotografiere ich dann in den frühen Morgenstunden, wenn die Sonne noch nicht am Himmel steht. Zu der Zeit hat man diese Orte oft für sich allein. Wenn man dann auch noch ein Bild schafft, an dem man Freude hat oder auch andere zum Staunen bringt, macht mich das glücklich.
Wilhelm: So wie du diesen Glücksmoment beschreibt, erscheint er mir sehr essenziell. Würdest du die Fotografie als ein Hobby beschreiben? Oder ist sie gar zu einer Lebenshaltung geworden?
Andrea: Ein Hobby ist es auf jeden Fall - es ist für mich Ausgleich zum stressigen Alltag. Ich habe ‚Fotografie‘ ständig im Kopf. Überall wo ich gehe, sehe ich Bilder. Das kann man schwer ausblenden. Kennst du das Zitat von Robert Doisneau?
''Es gibt Tage, da empfindet man die einfache Tatsache des Sehens als wahres Glück!''
Das beschreibt es ein bisschen: Mit der Kamera loszuziehen und Bilder zu ‚schaffen‘ erfüllt mich einfach.
Wilhelm: Liebe Andrea, das ist ein ganz wunderbares Zitat. Damit kann man ein Gespräch über die Fotografie gut beschließen, ich danke dir ganz herzlich für deine Offenheit.



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